Orthodoxe Begegnungen

Der Skadar See ist der größte See auf dem Balkan und neben Pelikanen, Seeschlangen und Fischen gibt es in ihm auch jede Menge Inseln. Einige davon sind bewohnt, von Mönchen oder Nonnen. Zwei dieser Inseln haben wir vor ein paar Tagen besucht, sind mit einem (muslimischen) Fischer auf seinem Boot hinübergefahren. Auf der ersten Insel zeigte uns Veska die beiden kleinen Kirchen und ließ sich willig von uns mit Fragen löchern. Sie (ungefähr 30) lebt mit sechs anderen Nonnen oder Anwärterinnen seit vier Jahren auf der Insel, die davor mehrere hundert Jahre lang nicht bewohnt war. Die Kirchen hingegen stehen schon seit dem 14./15. Jahrhundert, die kleine wird gerade mit dem gespendeten Geld eines verstorbenen Russen mit neuen Freskos versehen. Spannend war dabei vor allem zu sehen, das sich eine junge Frau, die gut englisch sprach und einiges über Kultur und Religionen zu erzählen wusste, sich mit der Maria von Ägypten stark auseinanderzusetzen schien, sich für ein Leben im orthodoxen Kloster auf einer Insel entschieden hat.

Auch auf der zweiten Insel hatte sich jemand für ein Leben mit starker Hinwendung zum orthodoxen Christentum entschieden: Georgi lebte schon seit zwanzig Jahren ganz allein auf einer Insel im Skadar See und unterstütze in seiner Erscheinung mit langen grauen Haaren und geflickter Kutte auf sympathische Weise die Vorstellung, die man von einem Einsiedler auf einer Insel hat. (Ganz im Gegenteil zu den Mönchen, die einem sonst im orthodoxen Kloster begegnen: lange ordentliche schwarze Kutte, dazu eine steife, Fez-artige, schwarze Kopfbedeckung; das wirkt viel mehr respekteinflößend auf mich als sympathisch und offen). Georgi unterhielt sich mit uns ein wenig über den Glauben (dass wir doch so viele kennengelernt haben und selbst an nichts glauben, war schwer verständlich, und der orthodoxe Glauben sei der beste, „I don’t believe, I know!“) und zeigte uns sein Heim. Zudem bot er uns eine Kostprobe von seinem Granatapfelsaft und seinen Erdbeeren an. Wenn er das bei jedem Besucher macht, dann bin ich mir nicht mehr sicher, ob sein Kommentar, dass er Touristen nicht mag und dass er eigentlich viel zu viel zu tun hat, um Touristen zu empfangen, wirklich ironisch war, oder eher nicht.

Sehr beeindruckend jedenfalls, die beiden Menschen zu treffen und sich mit ihnen unterhalten zu können, und dadurch einen kleinen Einblick in zwei Leben zu gewinnen, die sich tatsächlich in gewisser Weise dem „Weltlichen“ abgewandt haben.

Ps. Georgi laß gerade Rabindranath Tagore.

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