happythankyoumoreplease

26591 km haben wir seit unserem Start in Südindien vor 7 Monaten zurückgelegt. Gestern sind wir in Leipzig angekommen. Einen wunderbaren Grillabend verdanken wir unseren Freunden, die gestern mit uns den Abend genossen und begossen haben. Und eine unglaublich spannende Reise mit positiven und ab und zu negativen Erlebnissen, interessanten Begegnungen und einem breiten wohligen Glücksgefühl verdanken wir all den Menschen, Fremden, Freunden und Bekannten, die wir unterwegs in Indien, Pakistan, Iran, der Türkei, Bulgarien, Mazedonien, Albanien, Montenegro, Kroatien, Bosnien, Serbien, Slowenien und Österreich getroffen haben. Wir fühlen uns reich und beschenkt, auch wenn wir jetzt abgebrannt sind 😉
happythankyoumoreplease!!!

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Too punk or not too punk?

Nun sind wir ja schon eine Weile unterwegs (mehr als sechs Monate und über 25000 km) und auf die Frage, wie man es denn aushält auf so engem Raum miteinander, kann ich sagen, dass man zwar Rücksicht nehmen muss („kannst du mal zur Seite, ich muss mir ein T-Shirt holen“, „Nein ich putz doch grad Zähne“ „Dann kann ich wohl Kaffeekochen auch erst mal vergessen oder kannst du kurz auf den Fahrersitz gehen zum Zähneputzen“), aber meist geht es ganz gut und schon seit einer Weile ist nicht das Gefühl da gewesen, dass man doch wohl besser mal einen Tag oder ein paar Stunden getrennt verbringen sollte (ja, das gibt es auch, wurde aber superselten in die Tat umgesetzt). Und weil wir abgehärtet sind, was Temperaturen und das Schlafen im Bus angeht und wenn wir einen Platz zum Abparken gefunden haben, der auch meistens sehr schön ist (die besten Aussichten gibt’s eben vom Bus aus), schlafen wir sehr selten in anderen Unterkünften. Ein paar Mal waren wir bei Freunden/Bekannten/Couchsurfern, insgesamt vier Mal haben wir Übernachtungen bezahlt (davon war einmal Zelten und einmal Campingstellplatz). Selbst in Großstädten sind wir schon im Busschlafen geübt. Als praktischer Hinweis für Notwendigkeiten sei hier nur Parknähe genannt…
Ich bin beinahe Profi darin mit nur 1,2 l Wasser meine Haare überm Waschbecken zu waschen; man kommt oft einem Waschlappen nahe; Seen sind meine Freunde und Duschen ein rares Gut. Klamotten werden ja durch Handwäsche angeblich geschont. Und ich tausche gern echte Waldluft gegen Brise Lufterfrischer. So sehr, dass ich es letztens schon befremdlich fand morgens und abends das Bad in einer Pension zu benutzen, wo schön ordentlich Kosmetikprodukte aufgereiht waren, gleich neben der Waschmaschine und der Badewanne.

Frühstück

Einer der Frühstücksplätze, die Flecken auf dem T-Shirt wert sind?

Aber auf der anderen Seite hat das auch seine Vorteile, so ein Leben nicht im Bus: Man muss sich sein Wasser nicht einteilen (wenn man schon wieder vergessen hat an der Tanke oder an einer Quelle aufzufüllen), man seufzt nicht, weil Handwäsche den Dreck aus der Hose nicht mehr rauskriegt, man zieht den Pulli nicht eben doch noch einmal an, weil das Wäschefach überläuft und bei dem Regen draußen ja Waschen eh keinen Sinn macht. Man wartet nicht bis es dunkel ist, weil die Wiese zwar schön groß, aber Häuser in Sichtweite und kein Gebüsch in der Nähe ist. Aber man lernt schneller und schamloser zu sein… 😉

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Endspurt

Nach 6 Monaten unterwegs sein sind die 25000km endlich geknackt, so dass wir nun besten Gewissens nach Hause fahren können 😉 In Kroatien haben wir eigentlich nicht mehr viel gemacht außer der Wanderung, diese war jedoch sehr gut. Von Meereshöhe durch eine Schlucht auf einen 1100m hohen Berg. Wie einfach und schnell das doch ging! Der Rückweg durch eine andere Schlucht hatte es jedoch in sich. Es gab keinen Wanderweg und so war springen und klettern über zahlreiche Steine und Felsen angesagt. Als wir nach 9 Stunden endlich wieder am Startpunkt angekommen sind waren wir beide dann doch ziemlich ko. Naja, bei so einer Wanderung weniger zu essen als an normalen Tagen war aber wahrscheinlich auch keine gute Idee 😉

Jetzt sind wir in Slowenien, erst geht es nach Ljubljana und danach nach Bled und Richtung slowenische Alpen. Dort vielleicht noch einmal wandern und dann sind wir auch schon fast zu Hause! You better watch out 😉

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Up and Down

Nachdem die Landschaft bei Belgrad schon recht flach geworden ist, sind wir nun wieder in bergigeren Gegenden unterwegs. Aber darauf soll sich der Artikel nicht beziehen, denn es geht eher um gefühlsmäßige Höhen und Tiefen, die wir derzeit erleben. Ein Tiefpunkt war beim Plitvice Nationalpark, viele Seen und Wasserfälle, worauf ich mich eigentlich seit Monaten sehr gefreut hatte. Leider wurden wir aber am Morgen von einem Nationalparkwächter unsanft geweckt. Wir sollten eine Strafe von 500 Kuna zahlen wegen unzulässigen Parkens im Nationalpark. Dumm gelaufen. Wir wussten nicht, dass wir im Nationalpark sind. Aber abgesehen davon darf man in Kroatien ja generell nicht wild campen, was ein weiterer Punkt ist, der uns runterzieht, denn bisher haben wir es immer so gehandhabt. Und jetzt sollen wir auf einmal nur noch diese doofen Campingplätze anfahren? Na jedenfalls haben wir die Strafe noch runtergehandelt, dafür aber keine Quittung erhalten, heißt der Wächter wird das in die eigenen Tasche getan haben. Unsere Laune war dahin und außerdem war es sehr wolkig, so dass wir beschlossen hatten die Seen Seen sein zu lassen. Wir sind einfach weiter gefahren. Macht doch auch keinen Sinn da schlecht gelaunt umherzuwandern. Jetzt sind wir bei einen weiteren Nationalpark (Paklenica), wir wollen wandern gehen, und allein dafür muss man erstmal ungefähr 7,50€ pro Person und Tag Eintritt zahlen. Man stelle sich das für das Elbsandsteingebirge vor!!!

Abgesehen davon haben wir in Bosnien einmal falsch geparkt. Aber nicht absichtlich, denn wir schauen immer, dass wir irgendwo parken wo es kostenlos und erlaubt ist. Diesmal jedoch nicht gut geschaut und so hatten wir eine Sperre am Vorderrad hängen, die erst gegen Zahlung einer Gebühr abgenommen wurde. Hat auch die Stimmung etwas heruntergezogen, eben weil wir eben der Meinung waren, alles richtig gemacht zu haben.

Insgesamt ist uns Kroatien viel zu touristisch. Man kommt sich schon fast wie in einer deutschen Kolonie vor. Unglaublich wie viele Landesgenossen hier sind. Das sei denen ja auch gegönnt, aber wir fühlen uns nicht wohl dabei. Und die Kroaten wissen natürlich, wie man den Touristen am besten das Geld aus der Tasche zieht… Und in Slowenien wird es nicht anders aussehen…

Katja ist schon der Meinung, dass wir einfach zurück nach Hause fahren sollen und nicht so an dem Termin festhalten sollen. Aber ich denke man sollte nicht mit einem negativen Eindruck Schluss machen! Wir gehen jetzt jedenfalls erstmal wandern und dann sehen wir weiter.

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Entschleunigt in Belgrad

Für alle, die kein kyrillisch können: Beograd (Belgrad)

Eigentlich wollten wir ja nur zu einer Stippvisite in die serbische Hauptstadt, aber ein Einbruch ins Auto (%&grmpf!!*%&*!!!, aber ohne Vorurteile gegen Osteuropa zu klopfen) und die Anzeige bei der etwas verbaddelten Belgrader Polizei (zu lange Geschichte!) hat dazu geführt, dass wir schließlich von Donnerstag bis Montag in der Stadt blieben. Und da man die Sehenswürdigkeiten schon ziemlich bald durch hat, freuten wir uns um so mehr, dass Belgrad eine lebhafte Clubszene mit jeder Menge Livemusik hat und am Wochenende außerdem noch ein Festival stattfand. Ersteres besorgte uns zwei Besuche auf Schiffen, die in der Mitte Belgrads festgemacht haben. Clubs gibt es hier nämlich nicht nur an Land, sondern auch ne ganze Menge auf Wasser.

Club 20/44

Der DJ Samstag Nacht war zwar technisch ein Desaster (man hat halt seine Ansprüche und selbst wenn man die nicht hätte…), aber für eine Weile hat’s für uns zum Tanzen gereicht. Donnerstag Nacht schon durften wir uns überzeugen, dass handgemachte Musik in Belgrad Konjunktur hat und dass Frauen am Schlagzeug ordentlich reinhauen. Das Festival hingegen erinnerte ein wenig an daheim: kreative Ausstellungen in herrlich prunkvollen unsanierten Häusern, dazu eine große Halle à la designers open, Verkaufsstände á la Westpaket und jede Menge kleiner temporärer Galerien. So kann man Sonntage auch gut rumbringen. Nur der Vöner hat gefehlt…

Belgrad von einer ihrer vielen Seiten

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Kurz vor Belgrad, 19°, Regen

JuriUnsere tägliche Suche nach einem Platz zum Abparken brachte uns kurz vor Belgrad auf einen kleinen Feldweg, der zwar ganz gut aussah, aber bereits beim Hinabfahren zeigte, dass er ein schlüpfriges Etwas ist. Der Bus rutschte gemächlich, zum Wenden keine Gelegenheit, also Weiterrutschen bis zu der kleinen Weggabelung, an der man Abparken kann. Kurze Inspektion der Umgebung ergab lehmig-schlammigen Boden in alle Richtungen, nach vorn tiefe Schlammpfützen. Also beschlossen wir den Abend zu genießen und zu hoffen, dass vielleicht morgen der Weg ein wenig trocknet und wir wenden und wieder hoch zur Straße fahren können.
In der Nacht gewitterte es allerdings, das Feld und der Weg waren alles andere als trocken und bereits das Wenden haben wir nicht gepackt. Auch nicht mit Schieben und Kieselsteinen und Sägespähnen. (Dabei haben wir schon zwei Mal, im Iran und in der Türkei, das dicke Ding wieder aus Schnee bzw. Schlamm rausbekommen). Diesmal war jedenfalls nicht daran zu denken. Wir sind zur Straße gestapft, haben einen jungen Mann im Dorf angesprochen, brockenhafte Kommunikation hat uns einen Traktor beschert. Der hatte das anscheinend schon öfter gemacht und in Nullkommanix wurden wir – schlitternderweise, Gegenlenken half auf dem Weg nicht mehr viel – aus dem Matsch heraus und zur Strasse hochgezogen. Was blieb ist eine große Freude über die schnelle und unkomplizierte Hilfe und ein verlegenes Lächeln ob der touristischen Unüberlegtheit.

Da wir das natürlich nicht visuell festgehalten haben, gibt es hier noch ein paar Schmankerl aus Emir Kusturicas Drvengrad, einem kleinen künstlichen Dorf, dass er für den Film Live is a Miracle im Südwesten Serbiens gebaut hat.

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Bosnien-Eindrücke

In Bosnien hat sich uns nicht wirklich überraschenderweise, aber erstaunlich deutlich die jüngste Vergangenheit mitgeteilt. In Mostar und in Sarajewo sieht man an einigen Ecken und Enden die Spuren des Krieges von 1992-95. Während Mostar lange Gefechte gegen Serben und Kroaten kämpfen musste und der Fluss in der Mitte der Stadt auch nach dem Krieg noch zwei Jahre lang als Mauer diente zwischen Christen und Muslimen, wurde Sarajewo gleich vier Jahre lang belagert von der serbischen Armee. Zwei junge Männer, die in einem Laden indische Importware verkauften, erzählten bereitwillig und ausführlich davon, dass vier Jahre Dauerfeuer ungefähr so seien wie vier Jahre Dauerregen, nur schlimmer. „Da wird man automatisch ein bisschen verrückt.“ Inzwischen werden bzw. wurden viele Gebäude restauriert, in touristischen Gegenden stehen auch immer schöne neue Schautafeln dazu, oft mit der Angabe „finanziert von der EU oder GTZ oder ähnlichem“. Nach dem Niedergang Jugoslawiens scheint aber noch viel stärker als bei uns die Einstellung von „früher war alles besser“ vorzuherrschen, selbst bei unserer Generation. Industrie und Wirtschaft scheinen nicht wirklich zu laufen, in Mostar verdient fast jede Familie ihr Geld irgendwie mit Tourismus. Spannend fand ich auch, dass trotz der Tatsache, dass der Krieg von außen als religiöser Konflikt wahrgenommen wurde, die Aussagen in Mostar und Sarajewo darauf hinausliefen, dass a) Religion jetzt für Touristen gemacht wird und b) Religion eher irrelevant oder privat ist. Der Krieg war primär für die Unabhängigkeit Bosniens von Serbien. Dass die Kroaten dann mit den Serben heimlich ein Abkommen hatten, wie sie Bosnien zwischen sich aufteilen wollen (erinnert doch irgendwie an was…) wurde dann bemerkenswerter Weise in der War Photo Exhibition in Dubrovnik, Kroatien nicht erwähnt. Aber Geschichte wird ja bekanntermaßen gemacht. Und die hiesige wird von Region zu Region und von Regierung zu Regierung etwas unterschiedlich geschrieben. Schade nur, dass um die Ecke des indischen Geschäfts in Sarajewo Spielzeugpistolen und –gewehre verkauft wurden und dass „wir Bosnier tendenziell eher vergessen und vergeben“. Aber sie setzen sich offen und im Gespräch mit außen mit ihrer Geschichte auseinander, immer noch. Das ist gut und lässt hoffen, dass sicherlich noch bestehendes Misstrauen mit der Zeit weniger wird.

Mostar

Restaurierte Ansicht von Mostar

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Hin und her, vor und zurück, 3x im Kreis

… aber nicht nach Hause, denn das kann noch 3 ½ Wochen warten. Ich wollte mal schreiben, wo wir uns die letzten Tage eigentlich herumgetrieben haben, nachdem Katja schon ein paar kurze Einblicke gegeben hat. In Montenegro sind wir zuerst in die Berge gefahren, zum Tara Canyon bzw. Durmitor National Park. Das Rafting hat uns sehr gefallen, auch wenn es ein recht kurzes Vergnügen war, was aber auch daran lag, dass der Fluss im Mai noch sehr viel Wasser führt und entsprechend schnell fließt. Wir sind jedenfalls auch ordentlich nass geworden, wobei wir das Gefühl hatten, dass uns der Bootsführer absichtlich in die Wellen gelenkt hatte. Manchen war das aber noch nicht genug und dreimal darf geraten werden, wer von uns beiden vom Boot aus in den kalten Fluss gesprungen ist 😉 Am nächsten Tag war wandern angesagt, wobei wir sehr oft durch Altschnee stapfen mussten, von dem es in der Gegend um Zabljak doch noch recht viel gab. Danach ging es wieder zurück zum Lake Skadar bis fast zur albanischen Grenze. Hier sind wir auch mit einem Fischerboot zu den zwei Klöstern auf den zwei Inseln gefahren, von denen Katja schon berichtete. Weiter ging es an der Adriaküste entlang über Bar, Sveti Stefan nach Budva, von wo aus wir einen Schwenk ins Landesinnere nach Cetinje gemacht haben. Dort wurden wir erstmal von einer Schlechtwetterfront gestoppt. Wir saßen einen ganzen Tag lang fast nur im Bus, da es draußen ununterbrochen geregnet hatte. Am nächsten Tag war der Himmel zwar noch grau, aber immerhin regnete es nicht mehr, also fuhren wir weiter in die Berge zum Lovcen Nationalpark, wo wir eventuell auch hätten wandern wollen. Aber zum einen war man ziemlich oft mitten in den Wolken, so dass man nicht allzu viel gesehen hat, zum anderen war niemand im Infocenter des Nationalparks, wo man hätte Auskunft bekommen können über mögliche Wanderrouten. So sind wir weiter zur Bucht von Kotor gefahren und diese tief in die Berge eingeschnittene Bucht war schon ein toller Anblick, nachdem wir endlich wieder unter die Wolken gekommen sind und tatsächlich auch was sehen konnten. Ich habe später sogar darüber nachgedacht mir ein Fahrrad auszuleihen und damit die Serpentinen mit 25 Kehren und bestimmt fast 1000 Höhenmeter wieder hoch zu fahren, so sehr gefiel mir die Aussicht. Aber glücklicherweise gab es in Kotor kein Fahrrad zum Ausleihen 😉 Wir sind dann mit dem Auto um die Bucht herum gefahren, haben uns einige Städtchen angeschaut und standen auf einmal ganz unerwartet an der kroatischen Grenze. Wir waren eigentlich nur auf der Suche nach einem Schlafplatz gewesen und haben nicht mit einer Grenzkontrolle gerechnet. So viel zur Genauigkeit unserer Karten. Umso genauer meinten es die Zollbeamten. So gründlich wurden wir noch nie durchsucht. Mehl stand unter dem Verdacht Kokain zu sein und der Daal und das Kurkuma wurden lieber noch einen Kollegen gezeigt, um auch ganz sicher zu sein, dass es keine Drogen sind. Letztendlich durften wir dann aber doch noch Kroatien fahren. Von Dubrovnik hat Katja ja schon geschrieben. Mittlerweile haben wir auch Bosnien hinter uns gelassen und sind in Serbien auf dem Weg nach Belgrad. Aber dazu vielleicht später mehr…

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Länderhobbing statt Inselhobbing

Dubrovnik Altstadt

Altstadt Dubrovniks

Der Balkan ist im Vergleich zu den ersten vier Ländern doch ne Kategorie kleiner, und so sind seit dem letzten Eintrag schon wieder mehrere Staatsgrenzen überquert wurden. Eigentlich hatten wir mit dem Gedanken der südkroatischen Inseln gespielt, aber ein Meer, das noch nicht so hundertprozentig zum Baden einlädt (mit Tommes‘ Worten: Ich geh erst baden, wenn es badewannenwarm ist – indienverwöhnt halt) und die Touristenströme/-preise haben nach einem Abstecher in Dubrovnik einen schnellen Schwenk ins Innere des Kontinents bewirkt. Dubrovnik ist schon schick und man will ja auch niemandem einen Vorwurf machen, weder den Leuten, die hier ihr Geld verdienen, noch denen die es im Urlaub ausgeben, aber es wirkt so verkehrt, wenn man interessante und erschreckende Ausstellungen über den Balkankrieg sieht und eine Minute später Touristen in geleckten Souvenirläden ihr Geld  zum Fenster rauswerfen. Wir sind also nach Bosnien und Herzegovina gefahren, wo ich das Leben in kleine Städten viel sympatischer und echter finde und ich mich frage, wo die Einheimischen so viel Zeit für Kaffeetrinken hernehmen. Wo man aber auch neben renovierten Kulturdenkmälern viele viele Einschusslöcher und Ruinen sieht. Heute haben wir uns mit Nina und ihrem Mann unterhalten, die in Mostar wohnen und wohnten und während des Krieges 12 bzw. 17 Jahre alt waren. Ist schon nicht ohne, und wenn man dann trotzdem wieder Kinder sieht, die Krieg spielen, wird einem auch nicht besser, geschweige denn bei den ausweichenden Antworten, wie die Situation denn jetzt zwischen den Nachbarn ist…

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Orthodoxe Begegnungen

Der Skadar See ist der größte See auf dem Balkan und neben Pelikanen, Seeschlangen und Fischen gibt es in ihm auch jede Menge Inseln. Einige davon sind bewohnt, von Mönchen oder Nonnen. Zwei dieser Inseln haben wir vor ein paar Tagen besucht, sind mit einem (muslimischen) Fischer auf seinem Boot hinübergefahren. Auf der ersten Insel zeigte uns Veska die beiden kleinen Kirchen und ließ sich willig von uns mit Fragen löchern. Sie (ungefähr 30) lebt mit sechs anderen Nonnen oder Anwärterinnen seit vier Jahren auf der Insel, die davor mehrere hundert Jahre lang nicht bewohnt war. Die Kirchen hingegen stehen schon seit dem 14./15. Jahrhundert, die kleine wird gerade mit dem gespendeten Geld eines verstorbenen Russen mit neuen Freskos versehen. Spannend war dabei vor allem zu sehen, das sich eine junge Frau, die gut englisch sprach und einiges über Kultur und Religionen zu erzählen wusste, sich mit der Maria von Ägypten stark auseinanderzusetzen schien, sich für ein Leben im orthodoxen Kloster auf einer Insel entschieden hat.

Auch auf der zweiten Insel hatte sich jemand für ein Leben mit starker Hinwendung zum orthodoxen Christentum entschieden: Georgi lebte schon seit zwanzig Jahren ganz allein auf einer Insel im Skadar See und unterstütze in seiner Erscheinung mit langen grauen Haaren und geflickter Kutte auf sympathische Weise die Vorstellung, die man von einem Einsiedler auf einer Insel hat. (Ganz im Gegenteil zu den Mönchen, die einem sonst im orthodoxen Kloster begegnen: lange ordentliche schwarze Kutte, dazu eine steife, Fez-artige, schwarze Kopfbedeckung; das wirkt viel mehr respekteinflößend auf mich als sympathisch und offen). Georgi unterhielt sich mit uns ein wenig über den Glauben (dass wir doch so viele kennengelernt haben und selbst an nichts glauben, war schwer verständlich, und der orthodoxe Glauben sei der beste, „I don’t believe, I know!“) und zeigte uns sein Heim. Zudem bot er uns eine Kostprobe von seinem Granatapfelsaft und seinen Erdbeeren an. Wenn er das bei jedem Besucher macht, dann bin ich mir nicht mehr sicher, ob sein Kommentar, dass er Touristen nicht mag und dass er eigentlich viel zu viel zu tun hat, um Touristen zu empfangen, wirklich ironisch war, oder eher nicht.

Sehr beeindruckend jedenfalls, die beiden Menschen zu treffen und sich mit ihnen unterhalten zu können, und dadurch einen kleinen Einblick in zwei Leben zu gewinnen, die sich tatsächlich in gewisser Weise dem „Weltlichen“ abgewandt haben.

Ps. Georgi laß gerade Rabindranath Tagore.

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